Rennen

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6 Stunden-Radmarathon  

Datum

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30. Juni 2007

Ort

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Grieskirchen / Oö.

Strecke

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193 km / 1.460 hm

Wetter

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Sonnig, 26 Grad                                                                                        

Online

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1. Juli 2007

 

 

Nachdem sich das 4er-Team mit dem ich die letzten Rennen des 24h-Radmarathons in Grieskirchen bestritten hatte auflöste, fasste ich den Entschluss, diesmal solo beim 6-Stunden-Rennen anzutreten. Mit einigen Trainingsfahrten vor dem Rennen, lotete ich die zu fahrenden Rundenzeiten aus, die in 6 Stunden zu erreichen sind. Der Zeitplan gab 40 und maximal 45 Minuten für die 21,5 km Runde vor. Mein Ziel war es, 9 Runden auf dem selektiven Kurs zu schaffen.

 

Zum Erreichen dieses Zieles, war natürlich auch ein genauer Verpflegungsplan nötig. Meine Frau Regina und meine Schwägerin Regina leisteten dafür beste Arbeit. Die Trinkflaschen waren immer mit dem richtigen Inhalt gefüllt und die Riegel wurden zur richtigen Zeit gereicht. Handy sei dank, orderte ich während der Fahrt die Verpflegung. Alles klappte wunderbar und war sicher ein wesentlicher Bestandteil des Erfolges.

 

Runde 1:

Um eine gute Startposition zu ergattern, stellte ich mich schon sehr früh in den Startplatz. Nach 15 min des wartens, fiel dann bei sonnigem Wetter um 11.45 Uhr der Startschuss für 6 Stunden Radlerei. Gleich vom Start weg konnte ich mich ins Spitzenfeld einreihen. Beim ersten Anstieg wurde im Vorderfeld gebummelt. Da mich dies sehr störte, scherte ich aus dem Feld aus und setzte mich an die Spitze. Leicht verwundert stellte ich fest, daß das Feld nicht nachzog. Also strampelte ich auch den ersten längeren Anstieg als erster hoch. Der Abstand zum Feld wuchs immer mehr an. Relativ mühelos setzte ich die Solofahrt mit bis zu teilweise 55 km/h bis zur Hälfte der Rennrunde fort. Am zweiten Anstieg wurde ich dann vom Feld ein- und überholt. Aber schon am Ende der Abfahrt setzte ich mich wieder problemlos an die Spitze. Auch die zweite Hälfte des Rennes fuhr ich alleine vorne weg. Doch etwa 800 Meter vor der Zieldurchfahrt war die Solofahrt zu Ende. Das Spitzenfeld drückte auf die Tube und brauste an mir vorbei. Natürlich war mir klar, daß dieser Höllenritt am Beginn eines 6 Stunden-Rennens völlig sinnlos war. Aber ich hatte es sehr genossen, relativ leichtfüssig vor dem Feld zu fahren. So hatte ich den persönlichen Zeitplan schon in der ersten Runde gesprengt. Statt 40 Minuten hatte ich nach 33 Minuten diese erste Runde beendet. 

 

Runde 2:

Diese Runde ging ich wesentlicher „gemütlicher“ als die erste an. Ich versuchte, mit dem im Training festgelegten Kettenübersetzungen in den verschiedenen Streckenabschnitten den Rhythmus für die noch anstehenden 5,5 Stunden zu finden. Ich erwischte im zweiten Streckenteil, in dem ein ordentlicher Gegenwind wehte, eine gute Gruppe mit der ich ,abwechselnd im Windschatten, auch die geplante Rundenzeit in diesem Turn unterbieten konnte. Am Verpflegungspunkt wartete Regina mit der georderten Trinkflasche. Doch beim Festklemmen im Flaschenhalter rutschte mir die Trinkflasche aus der Hand und verabschiedete sich auf die Straße. Zum Glück war die zweite Flasche noch halbvoll. So war zumindest das Verdursten in der folgenden Runde auszuschliessen J

 

Runde 3:

Auch in dieser Runde lief alles noch nach Plan. An den Anstiegen spürte ich schon ganz leicht, daß es nicht mehr so locker wie in den beiden Runden zuvor ging. Sicher eine Auswirkung der überzogenen ersten Runde. Mit einem Energieriegel versuchte ich, den Muskeln wieder Verbrennungsmaterial zu liefern. Am Verpflegungspunkt blieb ich diesmal ganz kurz stehen um die vorbereiteten beiden Trinkflaschen sicher im Flaschenhalter befestigen zu können. Denn die hohe Temperatur verlangte einen ständige Flüssigkeitszufuhr.

 

Runde 4:

Die Runde begann eigentlich noch ganz gut. Die Anstiege fuhr ich mit einer Übersetzung höher als zuvor um Kraft zu sparen. Abwechselnd erwischte ich kleinere Gruppen an die ich mich kurz dranhängte. Im Gegenwindteil hielt ich mit einer Gruppe sehr lange mit. Kurz vor Ende dieser Runde, an der Stadteinfahrt, bemerkte ich ein leichtes Schlingern des Vorderrades. Etwa 100 m vor der Zieldurchfahrt setze ich zu einem Zwischensprint an um zu Überholen. Das Schlingern wurde immer stärker und hatte einen schleichenden Patschen als Ursache. Mit sehr viel Glück schaffte ich es mit den letzten Luftreserven an den Verpflegungspunkt. Nun brach etwas Hektik aus. Der Reifen musste von der Felge, der Schlauch heraus und ein neuer hinein. Unter Mithilfe einiger Helfer war der Defekt in etwa 3 Minuten behoben, nebenbei wurde noch Verpflegung aufgenommen und mein Rennen konnte weitergehen.

 

Runde 5:

Mit großer Erleichterung darüber, daß mich der Reifendefekt nicht aus dem Rennen warf, begann ich diese Runde. Ich hatte bereits 86 Km in den Beinen und war 2,5 Stunden unterwegs. Am ersten Anstieg merkte ich bereits, daß sich eine leichte Erschöpfung einstellte. In den flachen Streckenabschnitten fingen die Beine zu schmerzen an. Am zweiten, steilen Anstieg, gesellte sich auch noch ein leichter Krampf im Oberschenkel dazu. Als drittes Übel fing auch noch der Magen zu rebellieren an. Am „Gegenwindstück“ kämpfte ich mühsam gegen den Wind. Keine Gruppe oder ein einzelner Fahrer weit und breit an dem ich mich anhängen konnte. Die Motivation war tief im Keller. Kurz überlegte ich sogar das Rennen aufzugeben. Soweit lässt es mein Ego aber nicht kommen und so stellte ich von Muskelkraft auf Mentalkraft um. Deswegen wurden die schmerzenden Beine zwar auch nicht besser, aber zumindest wollte der Kopf das Rennen unbedingt durchziehen.

 

Runde 6:

Langsam besserte sich im Verlauf dieser Runde mein Zustand wieder. Traubenzucker und Gel zeigten Wirkung und auch die Motivation war wieder voll da. Die Rundenzeit bewegte auch wieder im geplanten Rahmen. Am Verpflegungspunkt wurde mir mitgeteilt, daß ich auf Rang 45 der 6h-Einzelfahrer lag. Nicht gerade das was ich mir vorgestellt hatte. Also versuchte ich zu pushen.

 

Runde 7:

Am Beginn dieser Runde hatte ich bereits 129 Km zurückgelegt und es standen noch 1,5 Stunden bis zum Rennende an. Die Beine bewältigten die Anstiege wieder in der geplanten Kettenübersetzung. Nur in den Flachpassagen und bergab war ein leichtes Ziehen zu spüren. Diesmal erwischte ich wieder eine gute, schnelle Gruppe. Am zweiten, steilen Anstieg konnte ich mich an die Spitze setzen. Ein Zeichen, daß die Kräfte wieder da waren. Nach der Abfahrt, beim Einbiegen auf das „Gegenwindstück“ stand plötzlich ein Auto auf der Strecke, daß wegen zwei alten Damen anhielt die den Zebrastreifen überquerten. Mit einem haarigen Bremsmanöver schaffte ich es gerade noch weder ins Auto zu krachen oder die Damen anzufahren. Im Sog der Gruppe ging es dann wieder in Richtung Grieskirchen.

 

Runde 8:

Ein letztes Mal nahm ich am Beginn der Runde neue Trinkflaschen, Banane und Riegel auf. So langsam neigte sich das Rennen seinem Ende zu. Den ersten Streckenteil absolvierte ich völlig alleine. Kein Radler weit und breit. Erst am zweiten Anstieg waren wieder welche zu sehen und zu überholen. Meistens waren die Überholten 24h-Einzelfahrer, von denen einige schon sehr kämpfen mussten. Im „Gegenwindstück“ schloss eine schnelle Gruppe zu mir auf. Einige Zeit hielt ich mit, musste aber dann die Gruppe wieder ziehen lassen. Ein Blick auf die Uhr an der Stadteinfahrt zeigte, daß ich 15 Minuten vor Rennschluss die Start- Ziellinie passieren würde. Also konnte ich noch die geplante 9. Runde dranhängen.

 

Runde 9:

Die letzte Runde war angebrochen. Voll motiviert und wild entschlossen wollte ich noch mal alles geben. Fast wie in der ersten Runde bezwang ich die folgenden Anstiege völlig mühelos und teils sogar am großen Kettenblatt. Auch der Gegenwind konnte mich nicht wesentlich bremsen. Etwa zwei Kilometer vor dem Ziel schloss ich auf zwei schnelle Fahrer auf. Wir wechselten im Windschatten ab und brausten mit hohem Tempo in Richtung Ziel. Dabei gelang es mir noch, zwei vor mir platzierte Fahrer zu überholen. Überglücklich überquerte ich nach 9 Runden, 193 Km und 6 Stunden und 12 Minuten Fahrzeit die Ziellinie. In der Ergebnisliste wurde mein Name auf Platz 32 von 80 Fahrern eingetragen.

 

Es war für mich eine völlig neue Erfahrung, über 6 Stunden rennmäßig im Sattel zu sitzen. Man erlebt Höhe- und Tiefpunkte, bewegt sich teilweise im Grenzbereich, aber am Ende ist man wieder um eine wesentliche Erfahrung reicher – Alles geht wenn man will und fest an sich glaubt!

 

Zum „drüberstreuen“ fuhr ich am nächsten Tag noch mal zwei Runden als „Aushilfe“ für ein Team. Die Anstrengungen vom Vortag waren völlig aus den Beinen und so schaffte ich zwei schnelle Runden (37 und 36 Minuten), sowie das tolle Erlebnis mit dem Team geschlossen mit viel Applaus der Zuschauer durch das Ziel zu fahren.

 

Fazit: Super organisierte Veranstaltung

        Viele neue Erfahrungen

        Tolles Verpflegungsteam – Danke an Regina & Regina

        Ziel für 2008 – 1 Runde mehr…